...und das sowohl im Hinblick auf unsere Runde durch die Dominikanische Republik, die wir in Santo Domingo begannen und hier nun auch beenden, wie natürlich auch hinsichtlich unserer ganzen Reise. Und es ist zum Heulen...

Aber setzen wir dort an, wo der vorherige Artikel aufhörte: Von Juan Dolio aus brauchten wir nur einen Gua-gua, der uns zurück zur Hauptstadt brachte. Und es ist eine wahre Freude, wie der öffentliche Transport funktioniert. Wir liefen gerade zum Highway, als wir schon einen Wagen runterwinken konnten. Da dieser allerdings viel zu luftig besetzt war, wartete der Fahrer den nächsten ab und wir durften umsteigen. Dieser zweite Gua-gua war dann ordentlich voll, wie es sich eben gehört. In Santo Domingo angekommen war es ein schönes Gefühl, sich hier halbwegs auszukennen. Wir liefen bekannte Wege und landeten für die letzten zwei Nächte im gleichen Hotel, in dem wir bereits vor ein paar Wochen waren. Einen vollen Tag hatten wir noch, den wir dann auch noch einmal in vollen Zügen nutzten - Spaziergänge im warmen Sonnenschein durch die historische Altstadt und am Abend bei einem der vielen Chinaimbisse ein Zwei-Euro-Essen, das uns beide satt und glücklich machen konnte (Grüße an Resi und Volker, bei denen da etwas klingeln dürfte). Und weil wir Euch die Santo-Domingo-Ansichten bisher vorenthielten, holen wir das an dieser Stelle nach. In ein paar Stunden setzen wir uns zum letzten Mal mit diesen sehr nachlässig spanisch sprechenden Dominikanern auseinander, um zum Flughafen zu kommen - und das war es dann.

Es sind die letzten Fotos, die Ihr hier präsentiert bekommt, die letzten Online-Nachrichten von uns. Durch 23 Länder sind wir gereist - Argentinien, wo wir uns nur ein paar Stunden aufhielten, und Französisch Polynesien, wo wir anderthalb Tage verbrachten, nicht mitgerechnet. Ein komplettes Jahr sind wir unterwegs gewesen, haben an 165 verschiedenen Orten geschlafen und 34 Nächte praktisch on the road verbracht, in Nachtbussen, Nachtzügen, auf Nachtfähren, Nachtflügen oder Flughäfen. Wenn wir wieder in Deutschland sind, haben wir 33 Flüge hinter uns, die uns rund um die Welt brachten. Wir lebten ein Jahr lang aus dem Backpack, in Australien und Neuseeland zwei Monate am Stück in einem Campervan. Insgesamt etwa 25 Kilo Gepäck begleiteten uns in dieser Zeit; erwähnenswerter Weise immer problemlos und ohne auf Flügen oder anderswo verloren gegangen zu sein. Immer wieder diese drei T-Shirts und zwei Hosen, in denen wir so viel veranstaltet haben, die durch unzählige Wäschedienste und Handwäschen gingen - und die man so ganz allmählich satt hat. Irgendwo haben wir ja auch noch mehr Klamotten... Wie wird es wohl sein, irgendwann wieder aus einem Schrank zu leben? Können wir diese Ordnung ertragen?

Und das sind nicht die einzigen Fragen, die uns momentan beschäftigen. Werden wir uns jemals wieder daran gewöhnen, ohne Flip Flops zu duschen? Es soll ja auch Bäder geben, die sind nicht von Natur aus keimig... Genau wie es Duschen gibt, die nicht zwangsläufig kalt sind. Wie wird es sein, das Klopapier wieder in der Toilette versenken zu dürfen? Das haben wir seit Juli letzten Jahres nicht mehr gemacht! An gewisse Dinge gewöhnt man sich einfach so sehr, dass sie völlig natürlich erscheinen. Wundert Euch also nicht über unseren Zwang, alles Essbare aufzubammeln (schützt besser vor Viechern) und generell fast alles in Plastiktüten zu packen (schützt einfach besser vor allem Erdenklichen). Vielleicht sollten wir versuchen, noch einen Germany-Guide zu ertauschen... Alles in Deutschland, was zwischendurch in vielerlei Hinsicht so weit weg gewesen ist, rückte in den vergangenen Wochen unbarmherzig näher. Trotzdem wird es schwierig, bei bestimmten Sachen schnell wieder umzuschalten. Wie oft werden wir im Handgepäck (oder eben der Handtasche...) nach dem Pass, den Ohrstöpseln, der Kamera oder der Klopapierrolle kramen?

Es wird ein komisches Gefühl sein, irgendwann - in einer Wohnung, die momentan noch Zukunftsmusik ist - wieder all die Kisten und Säcke auszupacken, die wir vor mehr als einem Jahr zusammengeschnürt haben. Was haben wir eigentlich alles?! Wie sieht unser Kühlschrank nochmal aus? Und wie soll das gehen, wieder alle Nächte im Bett zu schlafen? Und zwar in ein- und demselben Bett? Sobald wir wieder auf deutschem Boden sind, werden wir eine Menge zu erledigen haben. Aufgaben, die uns gerade noch so fern und ungewohnt erscheinen, werden uns vereinnahmen und ablenken. Vielleicht ist das ja auch gar nicht so schlecht...

In den vergangenen zwölf Monaten überquerten wir die internationale Datumsgrenze und zweimal den Äquator, erlebten mehr als 7000 Kilometer in chinesischen Nachtzügen, fuhren im Campervan knapp 12 000 Kilometer in Australien und noch einmal etwa 5600 Kilometer in Neuseeland. Wir liefen zu Fuß über 14 Ländergrenzen und legten die längste Überlandstrecke in Mittelamerika zurück, als wir uns von Panama City bis Cancun, Mexiko arbeiteten. Wir saßen auf hoffnungslos überladenen Booten und fuhren unzählige Straßenkilometer in bis zum Rand zugepackten anderen öffentlichen Vehikeln (wie auch immer sie in den einzelnen Ländern nun heißen mögen). Wir waren in Weltmetropolen unterwegs und dann auch wieder tagelang an entlegen Orten, von allem abgeschnitten, ohne Strom und fließend Wasser. Wir standen vor dem Taj Mahal, besuchten die Tempel von Angkor, wandelten zwischen Inka-, Maya- und Aztekenruinen. Am geografisch abgelegensten Punkt der Erde sahen wir uns Auge in Auge den Moai gegenüber. Wir durchquerten das australische Outback, flogen in kleinen Flugzeugen über die Südseelagunen der Cooks, standen vor Gletschereis und bestiegen mehrere Vulkane. In einem von ihnen nahmen wir ein Schlammbad, an einem weiteren waren wir der Lava gefährlich nah. Wir wanderten ein paar Kilometer auf der Großen Mauer und beschritten den Inka Trail bis Machu Picchu, standen in Tee-, Kaffee- und Kakaoplantagen und wanderten durch Reisfelder. Wir schnorchelten mit Walhaien und Schildkröten, sahen Wale, Delphine, Pinguine, Robben, Krokodile, Schlangen, Affen, Koalas, Kangaroos, Dingos und andere Tiere in freier Wildbahn. Wir hatten Frösche im Klo, Kakerlaken im Bett und anderes Krabbelzeugs im Essen. In dieser ganzen Zeit begegneten wir unheimlich vielen netten Leuten mit spannenden Geschichten. Und doch sind es meistens die kleinen, scheinbar unscheinbaren Momente, die am meisten gerockt haben und einen bedeutenden Anteil zu diesem Erlebnis betragen - die Momente, die man nicht wirklich erklären kann...

Es war das beste Jahr unseres Lebens. Eine Zeit, die von so vielen Verzichten geprägt und manchmal extrem anstrengend war - und die gleichzeitig die reichste, intensivste und wertvollste Erfahrung für uns war. Wir teilen unzählige "Weißt-Du-nochs?" und können uns beim besten Willen nicht mehr vorstellen wie es wäre, wenn wir uns gegen diese Reise entschieden hätten. Es war ein Witz, ganz am Anfang, und es war der beste jemals. Wir hatten keine Ahnung, worauf wir uns einlassen würden. Die kann man auch nicht haben, sofern man nicht schon ähnliche Erfahrungen hat - und wir hatten keinerlei Erfahrung mit dem Reisen (urlaubern zählt nicht!). Die Liste all der Dinge, die wir noch sehen und erleben wollen, ist länger als vor einem Jahr; das Fernweh erst so richtig entfacht. Es geht uns wie vielen anderen, die sich einmal auf so ein Abenteuer eingelassen haben... Man weiß jetzt, was möglich sein kann, was man selbst kann, noch lernen und erleben kann, man weiß, was es da draußen gibt und wie eingeschränkt der eigene Horizont vorher war. Trotz aller Erwartungen in dieser Hinsicht hätten wir nie vermutet, wie sehr uns diese Erfahrungen jetzt ausmachen. Wir sind sehr gespannt, wie die ersten Begegnungen mit Euch zu Hause so laufen werden. Möglicherweise haltet Ihr uns nun für weltfremd, wenn wir mit den aktuellen Gewohnheiten, Ansichten und Standards in Deutschland ankommen.

Wir bringen knapp 9000 Fotos mit und fragen uns noch immer, weshalb wir seit Mexiko auf der Straße meistens zuerst auf französisch zugelabert werden. Diese Händler wissen aus Erfahrung ziemlich genau, mit welcher Sprache sie es bei wem probieren müssen. Dass es bei uns in den letzten Monaten fast immer Französisch war, gibt uns schon ein wenig zu denken - und Euch vielleicht eine Vorstellung von der Wirkung, die wir nun anscheinend ausstrahlen. Aber wie auch immer, Ihr werdet uns schon erkennen. Viel zu schnell ist dieses Jahr vergangen und nun schreiben wir an unserem letzten Artikel. Es hat unzählige Stunden gekostet, dies hier aufrechtzuerhalten, und wir hoffen, Ihr konntet auf diese Weise entsprechend teilhaben. Wir danken Euch für all die netten Meldungen, die uns rund um die Welt erreichten, und machen uns damit auf den Weg zum Flughafen. Es konnte ja keiner ahnen, dass zurückzukommen der schwerste Part der ganzen Geschichte sein würde...

Nach vier Nächten brauchten wir wieder einen Tapetenwechsel und näherten uns Santo Domingo, so ganz allmählich zumindest. Als letzten bis dahin unbekannten Ort hatten wir uns Juan Dolio ausgesucht, um auch hier noch einmal nach dem Strand zu sehen - den nun endgültig letzten Strand dieser Reise. Wir checkten in der günstigsten Unterkunft ein, die wir in den letzten drei Wochen hier auf der Insel hatten; sie war gleichzeitig auch irgendwie die witzigste. Definitiv anders gestaltet war dieses indisch angehauchte Hotel in Juan Dolio, in dem wir uns sehr wohl fühlten. Wir machten nicht viel mehr als ein wenig auskundschaften und ein letztes Mal baden gehen (was auch erklären sollte, dass wir in diesem Artikel auf Fotos verzichten - Strandbilder habt ihr in letzter Zeit wohl genug gesehen). Den Rest der Zeit nutzten wir, um all die Berichte nachzuholen, die jetzt so lang in der Warteschleife hingen. Und damit waren wir eine Weile beschäftigt...

Unsere letzten Geburtstagswünsche an dieser Stelle gehen als kleiner karibischer Blumengruß ins kalte Dresden. Zu Deinem heutigen Geburtstag alles Liebe und die besten Wünsche, die Du Dir denken kannst! Auf ein baldiges Wiedersehen...

Und schließlich kam das letzte gemeinsame Frühstück, nach dem wir uns verabschieden mussten. Der Gasthausbesitzer (ein Österreicher) hatte für Resi und Volker sowie für zwei kanadische Mädels, die ebenfalls zum Flughafen mussten, ein Taxi für einen sehr fairen Preis organisiert, dass sie direkt vom Hotel am Playa Limon zum Punta Cana Flughafen brachte. Wir hätten diese letzte Etappe auch in öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen können, aber die beiden waren sicher nicht so böse, diese bis zum Dach zugepackten Gua-guas zu verpassen. Und im Sinne der Verlässlichkeit war ein Privattransport ja auch einfach sinnvoller. Für uns hieß dieses Taxi, dass wir auf die Ladefläche aufspringen und über den Dreckweg bis zurück zur Ortsdurchgangsstraße mitfahren konnten (was uns Geld wie auch Zeit und ganz sicher Nerven ersparte). An der Straße standen wir dann eine dreiviertel Stunde bis zum nächsten Gua-gua, die hier in den abgelegeneren Gegenden seltener fahren. In der letzten uns verbleibenden Woche wollten wir auf dem Rückweg nach Santo Domingo noch ein paar Tage in Bayahibe verbringen - der Rest war Spielraum für einen weiteren Zwischenstopp.

Und wieder hatten wir an diesem Tag eine Panne. Nicht weit hinter El Cedro klang es in voller Fahrt mal ganz kurz sehr bedenklich - ein paar Kilometer weiter mussten wir dann halten. Der Tank lief aus und es sah ganz danach aus, als wäre das nicht das einzige Problem. Die ganze Busladung Passagiere stand dann auf der Straße und wurde zur Sicherheit von ein paar berittenen Cowboys hinters Gatter auf ein Grundstück gedrängt, als eine Rinderherde vorbeimarschierte. Der Schaden konnte natürlich nicht so schnell behoben werden wie ein platter Reifen, der hier ja nichts Besonderes ist. Lange standen wir trotzdem nicht in der Pampa - als der nächste Gua-gua kam, wurden wir halt alle in den gequetscht. Und es wurde nicht besser: Da ein Wagen auf der Strecke ausgefallen war, hatten sich die Leute schon kräftig angesammelt. Was das dann für die Mitfahrbedingungen in diesem Gua-gua bedeutete, könnt ihr Euch nicht vorstellen...

Wir fuhren bis Higüey, stiegen dort in einen "richtigen" Bus um, der uns bis fast nach Bayahibe brachte, und legten den restlichen Weg ins Küstenörtchen mit einem weiteren Gua-gua zurück - all das verlief dann unproblemlos und unspannend. In Bayahibe selbst ist touristisch gesehen ganz schön was in Bewegung. Durch die unmittelbare Nähe zum Parque Nacional del Este sowie drei kleinen Inseln, die hier vor der Küste liegen, erhält das ansonsten recht verschlafene Fischerdörfchen viel Beachtung von Tagesausflüglern, die täglich in großen Tourbussen morgens ein- und am Nachmittag wieder ausrollen. Eine Offshore-Island-Tour hatten wir nichteinmal in Erwägung gezogen - die Strände da mögen schön sein und Boot fahren ist ja auch ganz toll, aber man kann sich in etwa vorstellen was da für Begängnis ist, wenn man die vielen Busse und Boote sieht, die in Bayahibe stehen. Und man bekommt erst recht einen Eindruck, wenn nicht einmal der Touranbieter wiederspricht, dass alles ziemlich überlaufen ist...

Wir blieben also in Bayahibe, und zwar "nur" in Bayahibe, beobachteten jeden Abend den Sonnenuntergang überm Meer und erholten uns ansonsten an den Stränden, die man hier im Ort bzw. unmittelbar außerhalb hat. Und wir amüsierten uns über die Schlagzeile in den hiesigen Lokalnachrichten: Deutschland hat den kältesten Winter seit 30 Jahren...

Nach drei Nächten brachen wir in Las Galeras auf - zeitig und ohne gefrühstückt zu haben, weil wir die 9-Uhr-Fähre schaffen wollten und auch nicht so richtig einschätzen konnten, wie lange wir für die einzelnen Etappen brauchen würden, die uns an diesem Tag bis Playa Limon bringen sollten. Ein Gua-gua zurück nach Samaná (der Stadt), von dort aus mit der Fähre über die Bucht nach Sabana de la Mar, was dann auch mal eine nette Abwechslung war, und zwei anschließende Gua-guas, die uns bis El Cedro brachten. Unser Hotel selbst lag außerhalb der Stadt in Strandnähe, inmitten riesiger Kokosplantagen. Rundherum nur noch eine andere Anlage und irgendeine kleine Hütte. Viel mehr brauchten wir auch nicht für diese zwei letzten Tage, die wir noch in Strandnähe verbringen wollten, bevor es für unseren Besuch zurück zum Flughafen ging. Auf diese Weise waren wir nicht mehr allzu weit von Punta Cana entfernt, konnten aber die teuren all-inclusive-Hotels vermeiden, die diese Gegend dominieren.

Von El Cedro bis zur Unterkunft blieben uns noch ein paar Kilometer - wir wussten nicht genau, wie weit es wirklich war, konnten uns aber auch nicht so richtig durchringen, ein Taxi zu nehmen. Also fragten wir ein paar Leute nach der Richtung und liefen einfach mal los. Der Weg war schlammig ohne Ende und wurde immer länger - einmal losgelaufen hatten wir dann auch nicht mehr die Wahl, irgendwo aufzuspringen und mitzufahren. Mehr als vier Kilometer liefen wir dann und kamen schließlich ziemlich verdreckt an, lagen aber super in der Zeit und konnten somit noch ein paar Stunden am Strand verbringen. Und hier hatten wir dann auch endlich mal wieder Internet - rechtzeitig genug, um uns anhören zu dürfen, dass der aktuelle Temperaturunterschied bei mehr als 40°C liegt. Was da bei Euch in Deutschland so los ist, können (und wollen) wir uns so richtig gar nicht vorstellen...

Den nächsten Tag (06.01.) verbrachten wir am Strand und unternahmen zudem eine Bootstour in der Laguna Limon, hatten also wieder einen guten Grund, ein paar Fotos zu schießen. Da es rundherum nichts Erlaufbares gab, blieb uns für die Mahlzeiten nur das Hotel - hier gab es allerdings wirklich super Essen zu vernünftigen Preisen. Außerdem hatten wir dadurch dann auch die Möglichkeit, die Abende gemütlich zusammensitzend verbringen zu können.

Am 02.01. verließen wir Sosua in Richtung Osten. Die angeblich schönsten Strände der Dominikanischen Republik lockten uns auf die Halbinsel Samaná, wo man ab Mitte Januar auch Buckelwale beobachten kann, die sich in großer Anzahl in der Bahía de Samaná tümmeln. Dafür waren wir leider einfach zu zeitig (ein Fischer hat wohl angeblich schon den ersten Wal gesichtet, aber für eine Tour lohnt sich das einfach noch nicht...) - die Strände jedoch haben keine Saison, die kann man immer sehen. Man muss nur hinkommen, was nicht ganz einfach ist, wenn man wie wir bis Las Galeras will. Die Stadt liegt ganz im Osten der Halbinsel, mit dem Rest der Zivilisation nur durch eine teilweise sehr schlechte Straße verbunden. Wir brauchten an diesem Tag fünf Gua-guas, in denen wir jeweils ein bis zwei Stunden saßen und erlebten was Neues: Da das Auto so voll war, dass eine einzelne Reisetasche nicht mehr reinpasste, wurde sie einfach auf der Motorhaube transportiert (das haben wir so auch noch nicht gesehen, können nun aber berichten, dass es ziemlich gut funktioniert). Mit Gua-gua Nummer 5 hatten wir dann auf der letzten Etappe einen platten Reifen, der reizenden Straße wie auch den rasanten Fahrkünsten sei Dank... Immerhin können sie gut damit umgehen, in diesem Land, in dem man mehr Reifenshops als Tankstellen sieht - in weniger als zehn Minuten war die Sache erledigt und der fast profillose Ersatzreifen aufgezogen.

Und so eierten wir dann bis Las Galeras, wo uns eine staubige Kreuzung erwartete, bevor der "Highway" direkt zum Strand hin auslief. Der anstrengendste Reisetag hier im Land lag hinter uns, die Suche nach einer passenden Unterkunft stand noch aus. Wir hatten vorher kein Internet und kurzum beschlossen, einfach mal wieder ins Blaue zu fahren und ohne Reservierung anzukommen. Wir betrieben Arbeitsteilung, ließen unsere Gäste mit dem ganzen Gepäck in einem Café sitzen und machten uns sozusagen unbeschwert auf die Suche nach einer Bleibe. Das war schwerer als zunächst gedacht und dauerte dann wohl auch länger als eine Stunde. An der Größe von Las Galeras lag das nicht - diese eine, halbwegs ernst zu nehmende Kreuzung, der Rest sind unbefestigte Wege. In einer Viertelstunde schafft man es locker, alles vom Ort zu sehen. Und vieles davon machen Touristenunterkünfte aus. Hotels, Cabañas, Bed & Breakfasts, Villas, Posadas usw. aller paar Meter, die aber leider ziemlich teuer oder ziemlich ausgebucht waren. Oder eben beides.

Letzten Endes ließ sich natürlich etwas finden und auch den Ausflug zum Playa Rincón für den nächsten Tag bekamen wir gleich noch organisiert. Mit einem Laster ging es dann am 04.01. die restlichen Kilometer zu diesem Traumstrand in der Bucht nahe Las Galeras. Besonders weit ist es nicht mehr, aber durch die Beschaffenheit der Wege braucht man gut eine Stunde, um an diesen abgeschiedenen Küstenstreifen zugelangen. Kilometerlang kann man hier spazieren; auf der einen Seite das türkisfarbene Meer, auf der anderen riesige Kokosplantagen, die das Bild perfekt abrunden. Fast zu schön, um wahr zu sein. Während heute eindeutig Kokospalmen dominieren, entstehen in den nächsten Jahren wohl große Resorts, die die Stimmung hier entscheidend verändern werden...

Für den zweiten Tag hatten wir einen Ausflug zum Playa Frontón geplant, dem Strand ganz am östlichen Zipfel Samanás, der Playa Rincón in Sachen Schönheit in nichts nachstehen soll und sich außerdem perfekt fürs Schnorcheln eignet. Am besten und schnellsten erreicht man diesen per Boot und ein Kapitän für den Ausflug war auch schon organisiert, als es an diesem Morgen regnete, regnete und regnete. Der ganze Ort schien zu streiken bei diesem Wetter, alles blieb verriegelt, kein Mensch auf der Straße. Da wir wegen unseres Dates mit dem Captain nun aber schon mal so zeitig wach waren, wollten wir wenigstens frühstücken und hatten immerhin das Glück, ein offenes Restaurant zu finden. Es schüttete noch eine ganze Weile - und so lang ging in Las Galeras einfach gar nichts. In solchen Momenten fühlt man sich wie am Ende der Welt. Irgendwann aber ließ der Regen nach und gegen Mittag war keine Wolke mehr in Sicht. Wir nutzten also die zweite Hälfte des Tages für die ortsnahen Strände, die ja nun auch nicht zu verachten waren.

Nach einem ausgedehnten Frühstück verließen wir Jarabacoa (am 29.12.) nach nur einer Nacht - unsere Zeit rennt, die Strände locken. Der Bus war voll, der nächste noch lang nicht in Sicht, also sprangen wir in einen dieser Minibusse, genannt Gua-guas, die den größten Teil des öffentlichen Transportes ausmachen, vergleichsweise günstig sind und sehr regelmäßig sowie flächendeckend arbeiten. Den Nachteil kann man sich denken; sie werden oftmals derart zugepackt, dass man sich kaum noch bewegen kann. Immerhin sind die Strecken meistens kurz. Wie auch bei uns an diesem Morgen; wir kamen bis La Vega, der nächsten größeren Stadt - und von dort so schnell nicht mehr weg. Die nächsten paar "richtigen" Linienbusse waren voll und da wir nun einmal außerhalb am Busterminal waren, wollten wir dann auch nicht wieder zurück ins Zentrum... und saßen deshalb etwa zwei Stunden fest.

Der restliche Weg ging dann wenigstens flüssiger, trotzdem erreichten wir Sosua erst bei Sonnenuntergang. Hier hatten wir zwei Zimmer für vier Nächte reserviert und durften zunächst ganz schön suchen. Das Hotel lag etwas außerhalb der Stadt und überzeugte uns in der ersten Nacht überhaupt nicht (bis gegen 4Uhr lief eine lautstarke Party an der Bar) - trotzdem war es besser, vorher reserviert zu haben. Immerhin sind wir jetzt zu viert, die haben hier momentan high season und zusätzlich geht es um die brenzlige Zeit des Jahreswechsels. Von unserer Online-Reservierung wussten die Verantwortlichen zwar nichts (kein Internet, die waren nach eigenen Aussagen froh, Strom und Wasser zu haben...), aber die Zimmer waren ja immerhin frei. Und die nächsten drei Nächte zeigten sich dann auch von wesentlich leiserer Seite.

Sosua ist die Hauptstadt des Sextourismus an der Nordküste und man sieht dann eben auch an den vielen weißen Männern, die mit ihrer "schwarzen Perle" unterwegs sind, wie es Volker immer bezeichnete. Abgesehen davon ist Sosua eine ganz relaxte Stadt mit mehreren Stränden in der näheren Umgebung - wir schafften es während der ganzen Zeit da trotzdem immer "nur" an den kleinen Strandabschnitt vorm Hotel, für den wir uns zwar immer etwas durchs Unterholz schlagen mussten, den wir dann aber fast die ganze Zeit für uns allein hatten. Wir genossen den 30. Dezemder am Strand und hoben uns etwas mehr Action für den letzten Tag des Jahres auf. Ganz in der Nähe, nur zwei Gua-gua-Rides von Sosua entfernt, gibt es hier 27 Wasserfälle, die man - mit Schwimmweste ausgerüstet und von Guides begleitet - zunächst erklettert, um auf dem Weg nach unten zu schwimmen, rutschen, klettern oder springen. Das ganze Drumherum, das Wasser und die Kalksteinpools, die bis zu fünf Meter, von denen aus man hier ins Blaue springen kann - das alles war ein Riesenspaß, den wir so schnell nicht wieder vergessen werden... (Nur leider wäre das einfach zu viel für die Kamera gewesen, die dadurch ein paar Stunden Pause hatte - von daher keine Fotos an dieser Stelle.)

Am Silvesterabend suchten wir dann vergebens nach etwas Stimmung in downtown Sosua. Zwar hatte jede Bar offen und auch ein paar Gäste, aber es war irgendwie kein Unterschied zu den vergangenen Abenden zu bemerken. Und so einfach wollten wir den Jahreswechsel dann auch nicht unter den Tisch fallen lassen. Wir lösten das Problem kreativ und improvisierten gerade noch rechtzeitig zum ablaufenden Countdown ein Feuer an "unserem" Strand - mit Anstoßen und gegrillten Marshmallows inclusive saßen wir dann bis etwa 4Uhr und hörten den Wellen zu. Am Neujahrstag hieß es dann erst einmal ausschlafen, bevor wir einen weiteren Tag am Strand verbrachten - Sonne, Sand, Wellen und Kokospalmen, die uns beschäftigt hielten. Und entsprechend ausgerüstet fanden wir an diesem Tag dann auch heraus, weshalb all die Tourboote hierher kamen, die einfach in zu großer Anzahl waren, als dass man sie hätte übersehen können: direkt vor unserer Nase war auch noch eine ganz passable Schnorchelstelle...

Wir nahmen einen Erste-Klasse-Bus nach Jarabacoa, der uns für etwas mehr Geld direkt und recht gemütlich an unser nächstes Ziel brachte. Auf dem Weg nach Norden stoppten wir für eine Nacht in den Bergen. Den höchsten Gipfel der Karibik (den 3087m hohen Pico Duarte) konnten wir von hier aus zwar nicht sehen, aber wir bekamen einen ganz guten Aus- und Einblick in die Bergwelt Hispaniolas, bevor es an und um all die Strände geht, wegen denen man nun mal in der Karibik ist.

Wir kamen am Nachmittag in Jarabacoa an und wurden mehr als nett vom deutschen Gasthausbesitzer empfangen, bei dem wir sicherheitshalber schon vorher reserviert hatten. Sofort nachdem wir die Backpacks abgestellt hatten, brachen wir wieder auf - diesmal nicht allzu weit. Ganz in der Nähe findet man hier mehrere Wasserfälle, von denen wir noch am gleichen Tag einen sehen konnten. Es war ein schlammiger, rutschiger Trail hinunter zum Salto Jimenoa, dessen Wasser durch den vielen Regen der letzten Zeit zwar sehr aufgewühlt war, der aber dennoch sehr beeindruckend war.

Eine ganze Weile saßen wir da unten im vom Wasserfall verursachten Nebel und beobachteten die gelegentlichen Regenbogen - keiner hatte wirklich Lust auf Baden - bevor es zurück zur Unterkunft ging. Hier hockten wir quatschend noch etwas in der Sonne (genossen praktisch den ersten schauerfreien dominikanischen Nachmittag...) und machten uns für ein Abendessen noch mal auf die Socken. Ganz Jarabacoa schien auf den Beinen, jeder war herausgeputzt, Autos mit dröhnend lauter Musik drehten Runden durch die Stadt, selbst die jüngsten Kinder sprangen umher. Wir saßen noch lange auf der Terrasse gemütlich zusammen, waren aber womöglich trotzdem unten den ersten, die ins Bett fanden - die Hähne jedenfalls machten in dieser Nacht keine Pause...

Inzwischen sind wir in der Dominikanischen Republik - unserem letzten Ziel - angekommen. Nachdem der Heilige Abend auf Puerto Rico hinter uns lag, ging es am 25.12. früh um sechs zum Flughafen - ziemlich müde, da die Nacht recht laut und kurz ausfiel (das Weihnachtsgeböller, das man hier scheinbar betreibt, wie auch unsere Nachbarn, die die ganze Nacht den TV laufen hatten, machten es schwierig, zeitig und teilweise überhaupt zu schlafen). Über den Wolken dann war der halbe Flug schon wieder vorbei, als wir es gerade mal geschafft hatten, die Formulare für die dominikanische Immigration auszufüllen. Wenigstens hatten wir durch einen Frühstart noch fast den ganzen Tag vor uns, als wir nach anderthalb Stunden Flug in Santo Domingo landeten. Es war ein echt merkwürdiges Gefühl zu wissen, dass wir von genau diesem Flughafen aus in ein paar Wochen wieder nach Hause fliegen werden. Nach ein paar Stunden Zeit zum Einleben hatten wir ausreichend Vorsprung und fühlten uns nach unseren Maßstäben schon wie zu Hause, als Resi und Volker ankamen, die an diesem ersten Weihnachtsfeiertag zu uns in die Karibik geflogen kamen, um ihren Urlaub hier zu verbringen.

Es war schon kurz vor Mitternacht, aber die beiden waren durch den langen Flug, den anschließenden Bustransfer von Punta Cana (da es keine Flüge mehr nach Santo Domingo gab), die Zeitumstellung von fünf Stunden sowie die ungewohnten Temperaturen ohnehin durcheinander, also spazierten wir gleich noch eine Runde um den Block. Eine erste Vorstellung von der nächtlichen Hauptstadt bekamen wir auf diese Weise, bevor es erst einmal ins Bett ging. Den nächsten Tag ließen wir es langsam angehen, schliefen aus, gingen nach einem kleinen Frühstück ein paar Schritte und verbrachten den Nachmittag planend hinter Laptop und Reiseführer, während draußen ein paar der alltäglichen Regengüsse herunterkamen, mit denen wir uns nicht so recht anfreunden können. Das Wetter ist nicht unbedingt schlecht, aber durch diese plötzlichen Schauer auch oft genug bewölkt und windig, was wir uns dann doch anders erhofft hatten.

Bei unserem Start in Santo Domingo, wo wir drei Nächte verbrachten, ging es also hauptsächlich um Eingewöhnung und Altstadtbummelei. Man merkt hier schon deutlich den Unterschied zum sauberen und fortschrittlicheren Puerto Rico, was für uns vor allem Vorteile mit sich bringt (die Kosten für Transport sind bezahlbar, wir können wieder relativ billig essen gehen,...). Für die kommenden zwei Wochen haben wir vor, eine kleine Runde durchs Land zu drehen, bevor Volker und Resi am 07.01. wieder von Punta Cana aus nach Hause fliegen. Und da Santo Domingo leider keine Strände hat, machen wir uns hoffnungsvoll in Richtung Nordküste auf.

Seit wir mit Resi und Volker unterwegs sind, die am 25.12. in die Dominikanische Republik gejettet sind, schaffen wir reiseberichterstattungstechnisch einfach gar nichts mehr... Und so war es dann auch für die Grüße zur Silvesternacht schon zu spät. Für das neue Jahr wünschen wir Euch aber nun Gesundheit, Glück, Erfolg und vor allem ganz viel Spaß am Leben!

Auf alle anderen Berichte müsst Ihr wahrscheinlich schon noch eine Weile warten. Wir genießen einfach unseren Besuch und die letzten Wochen, die noch bleiben...

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